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Home›Duisburg›Kuhls Kolumne: DER NAZI IN MIR

Kuhls Kolumne: DER NAZI IN MIR

Von gastkommentar
29. November 2011
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ob-kuhl-0206Ein Teil meiner Seele ist braun. Und ich weiß das. Adolf Sauerland weiß das nicht. Aber er lebt es. Unsere Kanzlerin aus einer immer noch nicht entnazifizierten Partei wundert sich plötzlich über Naziterror – nach einer neunzigjährigen Kontinuität, die das auf dem rechten Auge seit seiner Gründung 1870 blinde Deutschland definiert. Die Heuchelei der Nazis begründet den Staatsterrorismus gegen links.

„Die Wirtschaft“ übt sich in Gemütsfaschismus. Raucher und Hartz4er werden aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Ein kleiner Ausritt in die braunen Auen des vierten Reiches…

FRÜHE BRAUNE SCHEISSE

Als ich im Kindergarten einem Jungen, der mir seinen Roller nicht geben wollte, mit einem Stein zwei Zähne ausgeworfen hatte, da wurde meinen Eltern klar, dass ihre guten Gene nicht verschwendet waren. Schließlich hatte mein Großonkel als Architekt im Generalsrang den Flugplatz Königsberg (heute Kaliningrad) für den Angriff auf Moskau ausgebaut – wofür er dann vom Führer zum Feldmarschall ernannt wurde. So gesehen hatte ich schon beim Windeln-Vollscheißen den Marschallstab im Tornister.

Meine Mutter bimste uns drei Sätze ein: „Du musst…..“, „Du darfst nicht…..“ und „Was sollen denn die Leute denken?!“ Als Konrad Adenauer mit seinen Nazihorden die gute alte deutsche Rüstungsindustrie mit Aufträgen unserer neuen Alliierten zu neuen Höchstleistungen trieb, bekam er von denen dafür die Produktionsüberschüsse, die sie nicht mehr brauchen konnten. Das neue Bündnis alter und amerikanischer Völkermörder führte über Koreakrieg und Marshallplan zum „Wirtschaftswunder“ und zur NATO.

Der nationalsozialisteske christdemokratisch rheinisch katholisch kapitalistische erste Bundeskanzler war gut vernetzt mit Hitlers Freunden vom Industrieclub. Er hatte ihnen Persilscheine ausgestellt, sie vorzeitig aus dem Knast entlassen und ihnen erneuten Zugang zu ihren Vermögen verschafft, die sie aus der Arbeit von KZ-Häftlingen oder Zwangsarbeitern, Hitlers Protektion und analogen Wohltaten hatten raffen können. Weshalb uns nicht wundern sollte, dass heute noch alle großen Brocken der deutschen Wirtschaft braun stinken: BASF, Deutsche Bank, BMW, VW, Karstadt, Neckermann – mussten ja nicht alle morden, konnten ja vom Juden klauen.

Das Tafelsilber meiner Familie und auch das Meißner Porzellan: Damals hatten unsere jüdischen Nachbarn, die Kahns, es meinen Großeltern gegeben – weil am nächsten Tag ihr Zug nach Auschwitz ging. Als ich das erfuhr und die Rückgabe an eine jüdische Organisation einforderte, klärte mich meine Mutter darüber auf, dass Helmut Kohl gerade die Parole „Leistung muß sich wieder lohnen“ ausgegeben hätte – und das auch in diesem Falle gälte. Womit sie nicht unrecht hatte…

ALTE WERTE

Da hatten die 68er doch tatsächlich den schönen alten Nazi-Muff zurückgedrängt und Willy Brandt wollte gar „Mehr Demokratie wagen“. Da musste der NS-Offizier Schmidt ja einschreiten. 50 Atomkraftwerke wollte er bauen und Pershings und Cruise Missiles wollte er haben. Wenn das der Führer noch erlebt hätte: Ein germanischer Wald aus Atompilzen. Übrigens behauptet der Hamburger Helmut ja heute noch, er habe von den KZs nichts gewusst – wobei der jüdische Historiker Fritz Stern milde lächelt.

Die „Geistig-moralische Wende“ des Oggersheimer Helmut war nichts anderes als das Roll-Back zu NS-Tugenden – Konterrevolution zu 68. Ich hatte zwei Jahre im sozialistischen Polen studiert und dort geheiratet. Zu Besuch „zuhause“ fragte meine Mutter mich „Konntste denn kein deutsches Mädchen finden?“, um mir dann einen „alten Freund“ auf der Terrasse vorzustellen. Der wollte wissen, wie es denn in Warschau jetzt so aussähe. Damals bei der SS habe er das ja alles kaputtmachen müssen. Und der böse, böse Stalin habe auf der anderen Seite mit seinen Truppen gestanden: „Der hätte uns doch hindern müssen!“ Selbstverständlich war er unschuldig: „Damals waren wir noch jung“ – und meine Mutter immer noch hocherfreut über seine „guten Manieren“.

DAS NEUE REICH

Die Teilung Deutschlands war das letzte Symbol unserer NS-Vergangenheit. Mit der „Wiedervereinigung“ kochte die ganze alte braune Scheisse wieder hoch. Endlich hatte Hitler gegen die jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung gesiegt. Zu Weimarer Zeiten hatten Adenauer (später Bundeskanzler) und der vatikanische Nuntius Pacelli (später Papst) als Katholische Zentrums-Partei (später CDU) einen böhmischen Gefreiten in den Sattel gehoben, der als Führer dann so fromme Sätze sagte wie: „Indem ich mich des Juden erwehre, vollende ich das Werk des Herrn.“ Der christliche Antisemitismus des Johannes-Evangelium von Adolf Messias als Apokalypse des Johannes sauber durchgezogen.

Jetzt ging die Post wieder richtig ab. Asylanten klatschen, Schwulen in die Eier treten, Negernutten abmurksen – nach einer rassistischen Randale und ein paar Toten nannte Joschka Fischer den Vorfall zutreffenderweise „ein Progrom“. Kohls Rollstuhl-Goebbels Schäuble sprach eine Minute von der „Schande für Deutschland“ – „Was sollen denn die Leute denken?!“ – um dann 29 Minuten darüber zu räsonnieren, dass „das Boot voll“ sei und man „der Ausländerflut irgendwie Herr werden“ müsse. Mein Kollege Volker Pispers dazu; „So reden Neonazis, wenn sie studiert haben“. Stoiber stellte fest, wir seien eine „Durchrasste Gesellschaft“ und Kommunalpolitiker ließen sich Bezirke „ausländerfrei“ melden.

In der Duisburger Uni war der Chef des „Ring Christlich Demokratischer Studenten“ ganz besonders „stolz darauf, ein Deutscher zu sein“ und bewies seine Toleranz indem er den „Herz-Jesu-Marxisten“ Norbert Blüm einlud. In einer Podiumsdiskussion fragte ich dann Kohls Beauftragten für die Zerstörung des sozialen Netzes, ob er stolz sei, ein Deutscher zu sein. Selbstverständlich sei er das. Später verstieg er sich in seiner grenzenlosen Liberalität sogar zu solch schändlichen, volksverstörenden und extremistischen Behauptungen wie: „Ausländer sind auch Menschen.“

Der hessische Ministerpräsident Koch, von RCDS-Studenten anerkennend „Schweinebacke“ genannt, war mit großen Summen Schwarzgeld aufgekippt. Wahrscheinlich industriellen – altnationalsozialistischen – Ursprungs. Daß er behauptete, das Geld sei „von reichen Juden“, war aktuell eine antisemitische Lüge – tatsächlich könnte er damit Recht haben. Aber die Asche von Auschwitz spricht nicht mehr. Jetzt wissen wir auch, warum er mit der Zusage „brutalstmöglicher Aufklärung“ null Risiko einging.

Wenn die CDU-Abgeordnete Steinbach Hitlers Überfall auf Polen im September 1939 damit begründet, dass „die Polen ja schon im März mobilgemacht“ hätten, dann findet man das sogar in der CDU „unpassend“. Kurz davor hatte das Dritte Reich die Tschechoslowakei kassiert. Wenn ich an zwei Aussengrenzen solche Mordbuben wüsste, hätte ich auch mobilisiert.

Und jetzt nach Enthüllungen über die Braune Armee Fraktion – spricht die CDU unisono wieder von der „Schande für Deutschland“ – wo doch die „Döner-Morde“ bloß Notwehr gegen die „Rassenschande“ sind und der frühere thüringische Verfassungsschutzchef – ein Neonazi – seine Truppen eigentlich ganz gut geführt hat.

SICH DAS RECHTE AUGE ZUHALTEN

Wir haben seit nun neunzig Jahren eine nahtlose Nazi-Tradition. Der stärkste Einfluß auf die deutsche politische Kultur heißt nach wie vor Adolf Hitler.

Wenn Ralph Giordano in „Die zweite Schuld – von der Last, ein Deutscher zu sein“ darauf hinweist, dass nach dem Krieg nichts aufgearbeitet wurde und Hitlers Anti-Bolschewismus nahtlos in Adenauers Antikommunismus überging, dann denke ich ans Rechtssystem, an die Polizei, an Journalisten und andere lupenreine Traditionsträger…

Ich denke an die Hetzjagd der BILD auf Rudi Dutschke – und an seinen „verwirrten unpolitischen Einzeltäter“ – der monatelang mit einer Nazi-Wehrsportgruppe schießen geübt hatte, bis er dem APO-Studentenführer dann in den Kopf schoß.

Ich denke an Hitlers Kraft-durch-Freude-Wagen VW aus Wolfsburg, das immer noch nach seinem Kampf-Zeit-Pseudonym „Herr Wolf“ benannt ist und so wunderbare Menschen wie den Puff-Flug-Finanzier Peter Hartz oder den Kapitalistenknecht Gerhard Schröder hervorgebracht hat, der heute als Kurier des Zaren die Wirtschaftskriminalität der Gasprom sowie alte KGB-Mörderbanden mit führerbefehlsmäßiger Gründlichkeit und exzellenten Kontakten zu alteingesessenen Nazi-Konzernen in Zeiten unmenschlicher Globalisierung vorbildlich unterstützt.

Ich denke an meine Tage im Auschwitz-Archiv, an die Tor-Überschrift „Arbeit macht frei“ und an die Reformgesetze des Gustav Hartz, der vor Menschengedenken einem gewissen Hitler zugearbeitet hatte, was dann der VW-SPD-Peter-Hartz aus der Schublade gezogen und dem VW-SPD-Gerhard-Schröder an die Hand gegeben hat. An die armen Schweine im heutigen 1-Euro-Reichsarbeitsdienst – und an Merkels „Gut is, was der Arbeit nützt!“ Diese selbstentfremdete Unmenschlichkeit – das ist Nationalsozialismus.

Ich denke auch an Reichsgebärmutter von der Leyen, die es überhaupt nicht rassistisch fand, als Familienministerin zu fordern, „das Wichtigste“ sei, „daß deutsche Akademikerinnen Kinder kriegen“ – denn „sonst geht unsere Kultur unter“.

SCHWARZ-BRAUN IST DIE HASELNUSS…

singt nicht nur ein gewisser Heino, der genauso blond und blauäugig ist wie die magersüchtige Arbeitsministeriums-Ulla, die sich ständig mit Mineralwasser zusäuft, um dann Hartz4ern Alkohol und Zigaretten auszureden.

Als Hitler 1937 das Rauchen in deutschen Behörden verboten hat, konnte er nicht wissen, dass einmal eine grüne Öko-Stalinistin namens Barbara Steffens als NRW-Ministerin für Gesundheit und Familie die Endlösung der Raucherfrage in den Kneipen des Rheinlandes betreiben würde. Soweit hatte sich der Führer nicht vorgetraut.

DIE FROHE BOTSCHAFT

Das erste Reich, das alte jüdische Testament…

Das zweite Reich, das neue christliche Testament…

Das dritte Reich, das nationalsozialistische Testament…

Das vierte Reich, das bundesrepublikanische Testament…

Ulla von der Leyen hat mit sieben Kindern noch eins mehr als Magda Goebbels. Und noch kein einziges umgebracht. Dafür müssen jetzt die Hartzer herhalten.

Ich habe mich sicherheitshalber von meiner Mutter getrennt. Man weiß ja nie, was Nazis so vorhaben…

Feldmarschall Guttenberg kommt wieder, um uns zu erlösen.

WIE IN DUISBURG SO AUF ERDEN

Oberbürgermeister Adolf Sauerland, Kulturdezernent Karl Janssen und ich kommen aus derselben adenauer-katholischen Nazi-Scheiße.

Adolf hat nicht nur den traditionsreichen Vornamen. Er findet 21 Tote sind einfach zu wenig für einen Rücktritt – und 80tausend Stimmen auch. Wir werden ihn abwählen.

Karl „der Große“ hat Zeit seines Lebens nur Kriege geführt, Brandschatzungen, Morde, Vergewaltigungen. Sein Namensnachgänger verpisst sich gerade in die Wiedertäuferstadt Münster weil er da Oberbürgermeister werden will. Hoffentlich wird er da nicht als Hexe verbrannt.

Thomas ist im katholischen Kalender entweder „der Ungläubige“ oder „der Langschläfer“. Stimmt alles. Können wir ja mal drüber reden…

An einer Duisburger Theke…

Ciao!

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