Bundestagswahl 2025: In Duisburg regiert die SPD
Um 17:15 Uhr herrscht noch Ruhe im Rathaussaal. Auf zwei großen Leinwänden laufen jeweils das ZDF und die ARD. Martin Murrak, offizieller Wahlleiter der Stadt, eilt durch die Räume und die Gänge der ersten Etage, während Kellnerinnen dabei sind die Tische mit Getränken zu bestücken. Stress? Den sieht man Martin Murrack nicht an. Eine gewisse Anspannung ist schon schon vorhanden, aber Murrack macht seinen Job als Wahlleiter auch nicht erst seit gestern. Eine halbe Stunde später wird er vor der versammelten Duisburger Presse stehen, sich bei den Wahlhelfern bedanken und erwähnen, ein Mülleimer habe in einem Wahllokal gebrannt – er konnte rasch gelöscht werden. Ansonsten: Keine besonderen Vorkommnisse. Alles verlief ruhig und friedlich, die Wahlbeteiligung sei höher gewesen als das letzte Mal – sie liegt bei 80 Prozent. Es scheint, als hätte die kurze Vorlaufzeit und die Debatten um das Thema Abschiebungen und Migration die Bürgerinnen zu den Urnen getrieben.
Besonders vorgeprescht war die AfD bei diesen Themen, allerdings preschten die beiden Parteivertreter noch in anderer Art und Weise vor: Kaum in den Saal gekommen, schnappten sie sich den ihnen zugeteilten Tisch und rückten aus der rechten Ecke in die Mitte. “Das haben die doch nicht wirklich …” Aber doch: Das haben sie. Ein verhaltener Beifall-Klatscher vom AfD-Tisch, als Alice Weidel auf der Leinwand erscheint hört sich inmitten der demokratischen Vetreter*innen des Volkes hohl und substanzlos an.
Verhalten ist insgesamt auch die Stimmung an diesem Abend. Dass die AfD so viele Prozente holte ist sicherlich kein drastischer Schock mehr. Allerdings: Für die AfD hätte dieser Wahlkampf nicht besser laufen können: Ob WDR, ZDF oder andere Öffentlich-Rechtlichen Medien – sie alle stellten den Wahlbezirk Duisburg II als den härtesten, umkämpftesten Bezirk vor. Mahmut Özdemir tigert mehrmals mit sorgenvolle Miene auch den Raum, die auch nicht besser wird als die ersten Hochrechnungen einlaufen. Historisches Tiefstwahl-Ergebnis für die SPD im Bund! In Duisburg sieht es im Bezirk von Bärbel Bas anders aus: Ein glatter Durchmarsch. Mahmuts Bezirk steht dagegen auf Messers Schneide und erst späte bei der Wahlparty der SPD im Café Museum fällt die Anspannung von ihm ab. Es ist allerdings kein Ergebnis zum Sich-Aus-Ruhen, die Abstände sind minimal.
“Die SPD gewinnt und die Linke überholt uns Grüne”, stellt Sebastian Ritter fest. Der OB-Kandidat der Grünen hat einen Terminmarathon hinter sich. “Das wird ein langer Abend”, seufzt er. Vermutlich denken das alle in diesen Minuten. Denn FDP und BSW sind im Bund wohl – je nach Hochrechnung – entweder knapp drin oder draußen im Bundestag. Was die Koalitionsbildung entweder erleichtern oder erschweren wird. Merz, so die Meinung eines SPD-Wählers, hat schon bewiesen, dass er von einer Brandmauer wenig hält und obwohl die CDU bislang jede Zusammenarbeit mit der AfD im Bund einen Riegel vorschieben möchte – wohlgemerkt im Bund, auf Landtagsebene tastete man sich da schon ein wenig mehr vor – wird Merz sein Wort von gestern morgen noch halten? Das hätte man die CDU auf deren Wahlparty fragen können, wenn die CDU denn verraten hätte, wo sie feiert. Aus Angst vor linksextremen Angriffen verschwieg man aber selbst dem WDR den Ort, an dem die Party stattfand. Die nächsten Tage werden nicht einfach – weder im Land noch in Duisburg.






