Duisburg: Ansturm auf Impfung in Marxloh

Die Stadt Duisburg hatte dem Land NRW ein Konzept zur Impfung in den Stadtteilen mit höherer Inzidenz vorgelegt, welches genehmigt wurde. Der Stadt wurde ein Sonderkontingent von 3.800 Dosen des Einmal-Impfstoffes Johnson & Johnson hierfür zur Verfügung gestellt. Für die Stadt ist es somit ein besonderes Anliegen, in Hotspots Sonderimpfaktionen durchzuführen. Die erste Impfaktion erfolgt heute (24.05.) und morgen, 25. Mai, jeweils von 10 bis 18 Uhr in Marxloh vor der Merkez Moschee. Über 700 Menschen reihten sich bereits noch vor offiziellem Impfbeginn ein. Der Kopf der Schlange wartete bereits seit morgens um 4 Uhr in der Frühe, eingedeckt mit Klappstühle, Decken und Heißgetränken. Aufgrund des hohen Andranges begann man mit den Verimpfungen bereits um 09:15 Uhr, statt wie geplant um 10 Uhr. Fast 1.400 Impfungen wurden laut Stadtverwaltung heute getätigt.
Bereits eine Stunde früher als angekündigt, wurde der Impfvorgang eröffnet. Bedenken, dass der Impfstoff generell nicht angenommen wird, zerstreuten sich schnell beim Anblick der Menschenmenge, die sich um den gesamten Häuserblock zog. Um die Angst vor dem Impfstoff zu nehmen, haben sich der Vorstand der DITIB-Gemeinde, sowie ein Mitglied der Bezirksvertretung bereit erklärt, sich mit diesem Impfstoff impfen zu lassen. Sie wollen gleichzeitig als Multiplikatoren für eine Impfung in den vielen Communities zur Verfügung stehen. Der Impfstoff von Johnson & Johnson bietet sich hervorragend in Bereichen an, wo nicht sicher ist, ob der Impfling den 2. Termin garantiert wahr nimmt.

Oliver Tittmann, Leiter der Berufsfeuerwehr in Duisburg, war positiv überrascht, das der Termin so gut angenommen wurde. “Wir haben heute morgen recht früh die Information erhalten, dass bereits seit 4 Uhr die ersten Leute auf die Impfung warten. Bereits um 9 Uhr haben wir rund 700 Wartende gezählt. Aufgrund dessen haben wir hier ein wenig umorganisiert und früher als angekündigt mit der Impfaktion gestartet. Es kamen viele Fragen auf, die wir aber alle beantworten konnten. Wir sind sehr gut organisiert und das Team ist bestens aufgestellt. Da wir nicht wussten, was uns erwarten wird, haben wir mehr Impfdosen mitgebracht als angedacht. Die Idee war auch nicht die schlechteste, wie es sich im Nachhinein herausstellte. Wir versuchen so viele berechtigte Menschen wie möglich zu impfen.”
Begleitet werden die Impfungen durch das Kommunale Integrationszentrum, das vor Ort entsprechende Hilfestellungen in den jeweiligen Muttersprachen gibt und bei den Formalitäten unterstützt. “Wir unterstützen die Aktion heute in sehr enger Abstimmung mit der Feuerwehr, um bei Sprachbarrieren Hilfestellung bieten können. Aufzuklären und zu informieren, wo Bedarf besteht”, so Marijo Terzic, Leiter des Kommunalen Integrationszentrums der Stadt Duisburg. “Ich bin von Anfang an davon ausgegangen, dass sich so viele Menschen einfinden werden, zumal die berücksichtigten drei Bezirke rund 25.000 EinwohnerInnen haben und es auf große Resonanz stoßen wird. Der Vorteil liegt auch daran, dass der Impfstoff von Johnson & Johnson mit einer Verabreichung bereits einen umfänglichen Impfschutz bietet”, so Terzic weiter. “Wir bauen auch darauf, das sich die Information zur positiv verlaufenen Impfaktion innerhalb der Communities, in ihren Freundes und Bekanntenkreisen verbreitet wird durch die heute Geimpften. Um ihnen auch ein Stück Sorge und Skepsis zu nehmen, die es nicht nur in Migrations-Kreisen gibt. Um so wichtiger ist es heute für mich ein immens wichtiger Faktor, dass hier in den Schlangen nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund warten”, gab sich Terzic optimistisch.

Unter den Geimpften ist auch Claus Krönke, Mitglied der Bezirksvertretung Hamborn, zu finden. Auch er bekam heute seine Erstimpfung. “Ich habe mich heute impfen lassen, da es immer noch unnötige Bedenken zum Präparat von Johnson & Johnson gibt, da dieser hauptsächlich nur in sozialen Brennpunkten verabreicht wurde. Dies war auch in den USA anfangs der Fall. Man muss sich mit diesem Impfstoff nur einmalig impfen lassen. Yusuf Aydin, Vorsitzender der DITIB-Gemeinde und ich, wir wollten hiermit ein Zeichen setzen, dass wenn wir uns mit dem Präparat impfen lassen, dann kann es weder gefährlich sein, noch verehrende Nebenwirkungen haben, außer denen aus den Beiblättern”, so Claus Krönke. “Ich bin positiv beeindruckt, wie viele Menschen sich zur Impfung eingereiht haben. Dennoch warte ich erst einmal die Statistik ab, wie viele Menschen sich hier eingereiht haben, die nicht aus den angegebenen Stadtteilen angereist sind. Ich nehme an, dass sich hier auch Menschen eingereiht haben, die aus ganz anderen Stadtteilen extra angereist sind, und unverrichteter Dinge wieder abziehen werden”, sagte Krönke. Ob sich die Inzidenz-Werte im Stadtbezirk Hamborn durch diese Aktion senken, sieht Krönke nüchtern. “Mit den Inzidenz-Spitzenreitern ist es ein regelrechter Schlagabtausch zwischen Marxloh, Hamborn und Hochemmerich. Dies liegt nun mal daran, dass wir in diesen Stadtteilen viel zu wenig Geimpfte haben. Man sagt, Marxloh und Hamborn werden nun bevorzugt. Dies entspricht nicht der Wahrheit. Das Gegenteil ist hier der Fall. Wir holen hier mit dieser Impfaktion Rückstände auf . Und es bringt der gesamten Stadt Duisburg nichts, wenn es Bezirke gibt, in denen nur 30-40% der Menschen später geimpft sind. Wir werden sonst immer wieder Corona-Ausbrüche haben. Was die Feuerwehr und die Stadtverwaltung hier nun mit dieser Impfaktion macht, dient eigentlich zum gesamten Schutz der Stadt”, sagt Claus Krönke mahnend.
In Marxloh wurde das bestehende städtische Testzentrum an der DITIB Merkez Moschee auf der Warbruckstraße 51 für die Impfung eingerichtet. Alle Menschen in den Postleitzahlenbereichen 47166 (Bruckhausen), 47167 (Hamborn/Neumühl) und 47169 Marxloh) können sich dort kostenlos, freiwillig und ohne Termin impfen lassen. Als Nachweis reicht ein Ausweisdokument mit einer Wohnadresse im vorgenannten Postleitzahlenbereich aus.
Mit dem bereitgestellten Sonderkontingent sollten zunächst circa 400 Impfungen täglich verabreicht werden. Doch aufgrund der heute überraschenden Vielzahl an Impfwilligen werden heute rund 1.200 Dosen verabreicht. Die Impfungen vor Ort werden von einem Team, bestehend aus acht Ärztinnen und Ärzten in Zusammenarbeit mit zehn medizinischen Fachangestellten, durchgeführt. Ebenfalls unterstützend vor Ort befinden sich 15 Mitarbeiter des Kommunalen Integrationszentrums und 25 Kräfte der Berufs- und Freiwiligen Feuerwehr.
Innerhalb des Schnelltestzentrums stehen neben einer mobilen Anmeldung, zwei Kabinen und außerhalb ein Bus für Impfungen zur Verfügung. Der Wartebereich des Testzentrums kann zudem auch für den im Anschluss an die Impfung empfohlenen Beobachtungszeitraum genutzt werden.
Bisher verlief die Impfaktion reibungslos und ohne verzögernde Probleme. Laut Information der Stadtverwaltung mussten nur sehr wenige Menschen abgewiesen werden, die nicht anspruchsberechtigt waren. Allerdings war der Ansturm so groß, dass die Warteschlange zur Stunde geschlossen wurde. Dennoch wurde allen, die noch in der Schlange eingereiht waren zugesichert, dass sie ihre Impfungen am morgigen Tag erhalten werden.
Am Ende des Tages stellte die Stadt folgendes Fazit:
Die Impfaktion der Stadt Duisburg in Marxloh konnte am ersten Tag mit 1367 verimpften Dosen mehr als erfolgreich abgeschlossen werden. Der Tag verlief trotz Wetterkapriolen und riesigem Andrang ohne Zwischenfälle. Mit großer Geduld meisterten die wartenden Marxloher, das medizinische Team um den ärztlichen Leiter der Stadt Duisburg Hendrik Magnusson, die Feuerwehr sowie etliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Kommunalen Integrationszentrum den Tag.
Oberbürgermeister Sören Link: “Ich bin unfassbar stolz, dass wir diese Aktion auf die Beine stellen konnten und dass die Marxloherinnen und Marxloher das Angebot so gut angenommen haben. Wir waren auf alles vorbereitet, aber mit einem solchen Erfolg konnte keiner rechnen. Dass die Menschen im Regen und im Hagel teilweise stundenlang gewartet haben und es trotzdem keine schlechte Stimmung gab, ist toll. Mein Dank geht an alle, die heute vor Ort waren und dafür gesorgt haben, dass wir weiter Fortschritte machen im Kampf gegen Corona.”
Die Impfaktion der Stadt Duisburg geht morgen weiter.
In Abhängigkeit des zur Verfügung gestellten Impfstoffes wird beabsichtigt, in naher Zukunft weitere Impfaktionen in den anderen betroffenen Stadteilen durchzuführen.

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