Küchentisch-Konzert-Lesung: Jesus ist nicht schwarz-weiß
Es gehört schon etwas Mut, sich auf neue Formate einzulassen. Diesen Mut bewiesen die Besuchenden des Cafés “Mary and Joe” in Oberhausen. Denn: Drei Deutsche sitzen an einem Küchentisch und singen und reden. Über dies und das. Vor allem aber über Rassismus. Die Besucher*innen im Café erlebten einen Abend voller Emotionen und voller Nachdenklichkeit.
Das mit dem Küchentisch, so das Trio Judy Bailey, Sarah Vecera und Patrick Depuhl scherzend, das habe der Robert Habeck halt einfach von ihnen übernommen. Denn vor einigen Jahren haben sie schon mal dieses Konzept durchgeführt. Das mit dem Küchentisch. Währenddessen haben sowohl Sarah Vecera als auch das Ehepaar Judy Bailey und Patrick Depuhl Bǘcher über den Rassismus geschrieben. Bücher darüber, wie das ist wenn man Deutsch ist, aber dann doch wieder nur als Passdeutscher gilt. Wie das ist, wenn die eigenen Kinder in diesem Land in einer Zeit aufwachsen, die mehr und mehr geprägt ist von Nazis und einem Bundestag, in dem mit der AfD eine offen als rechtsradikal eingestufte Partei sitzt.
Man merkt, dass das Trio Spaß an diesem Konzept hat, bei dem sich vorgelesene Buchauszüge abwechseln mit Judy Baileys Liedern. Für Sara Vecera ist Oberhausen ein Heimspiel, weil sie in dieser Stadt bei ihrer Oma aufgewachsen ist. Eine Oma, die nie viel Gewese gemacht hat, die aber immer wieder Anker und Halt war. Ebenfalls Anker an diesem Abend ist immer wieder der Küchentisch. Als Ort des Gesprächs. Als Ort, an dem man auch über Dinge redet, die unangenehmer Natur sind. Etwa über die Familiengeschichte von Patrick Derpuhl.
Ungewöhnliches Konzept, ungewöhnliche Koppelung: Denn vor dem Konzert fand ein dreistündiger Anti-Rassismus-Workshop statt. Der überraschende Einblicke in den strukturellen Rassismus bot. Dass der “Tarzan” von TKKG mal sehr, sehr dunkelhäutig war, dass der Pirat bei Asterix und Obelix den Sprachfehler hat – als Schwarzer! – und dass die sogenannten Nick-Neger einige Zeit lang Teil des kichlichen Alltags waren … Es wird deutlich, dass Rassismus keine einzelne Ursache hat und auch, dass es an jedem Einzelnen liegt, ständig dagegen aufzustehen.




