Kriminalität 2024 im Kreis Wesel
Vor wenigen Tagen hat die Polizei die “Polizeiliche Kriminalitätsstatistik” (PKS) für 2024 im Kreis Wesel veröffentlicht. Landrat Brohl lud begleitend zu einer Pressekonferenz ein, um zusätzliche Informationen zu geben.
Kreis Wesel
Die Kreispolizeibehörde Wesel gehört zu den größten in NRW und hat im vergangenen Jahr fast 70.000 außen veranlasste Einsätze zu bewältigen gehabt, in dem Zeitraum wurden der Polizei 27.921 Straftaten bekannt – ein Anstieg um 3,9% bei ungefähr gleich bleibender Aufklärungsquote (AQ). Während dabei Taschendiebstähle und Wohnungseinbrüche um über 20% zurückgingen, kam es zu fast 8% mehr Rohheitsdelikten mit der “Tatörtlichkeit Schule”, dies ist aber ein unglücklicher Trend in ganz NRW. Rohheitsdelikte sind z. B. Raub und Körperverletzung. Insgesamt konnte mehr als die Hälfte aller Fälle aufgeklärt werden.
Die “Häufigkeitszahl”, also die Anzahl von Straftaten je 100.000 Einwohner*innen liegt bei 5.972 und damit in den letzten 3 Jahren fast stabil.
Auf hohem Niveau sind leider die Fahrraddiebstähle, ein Delikt mit einer sehr geringen AQ. Unglücklicherweise hat sich durch die Verbreitung der E-Bikes auch die Schadenssumme von weniger als 1.000€ pro Fall vor 2022 seit dem auf mehr als 1.500€ erhöht.
Das mehr Kontrolle zu mehr gezählter Kriminalität führt, sieht man z. B. an den Ladendiebstählen im Kreis Wesel, die mit 1.613 Fällen auf dem höchsten Wert seit 2016 liegen. Da hier aber ja nur die Anzeigen bekannt werden, dürfte der Anstieg seit 2021 auf zusätzliche Schutzmaßnahmen zurückzuführen sein. Wir wirksam dagegen Prävention ist, sieht man an den Wohnungseinbrüchen, die mit 687 Fällen im gesamten Kreisgebiet fast wieder auf dem Niveau von Corona sind.
Die Anzahl der Delikte Rauschgift ist deutlich gesunken, was vermutlich auch an der Cannabis-Legalisierung liegt. Waren es 2023 noch 1.086 Fälle, sind in 2024 nur noch 758 Fälle gezählt worden.
Während die Gewaltdelikte fast Konstant auf dem Rekordniveau von 2023 verharrten, mit 1.020 aber immer noch sehr gering ausfallen, ist die Straßenkriminalität im Kreis Wesel weit unter Landesschnitt und wenn man sich die letzten 10 Jahre anschaut auch immer weniger relevant – gleichwohl in 2024 ein leichter Anstieg zu 2023 zu verzeichnen gewesen ist.
Ein Problem, landesweit, sind die Schulen. Unklar ist, ob das an einer erhöhten Bereitschaft von Eltern und Lehrer*innen liegt, die Polizei zu informieren, im Kreis ist die Anzahl der Fälle aber von 100 in 2021 auf 266 Fälle gestiegen. Das ist Grund genug für den Landrat, in 2024 einen runden Tisch mit allen Verantwortlichen einzuberufen und nach Ursachen und Lösungen zu forschen.
Gewalt gegen Polizist*innen hat deutlich abgenommen und ist auf dem tiefsten Stand seit 2017. Geldautomatensprengungen spielen keine Rolle mehr, in 2024 gab es noch eine im Vergleich zu 10 Stück in 2020.
Etwas irritierend ist, dass die Kreispolizeibehörde Wesel das “Tatmittel Messer” explizit ausweist. In 2024 hätte es 169 Fälle gegeben. Auf Nachfrage erklärte man, dass sich das auf die 27.921 Straftaten insgesamt bezieht – also eine verschwindend geringe Menge. Die zudem erhöht ist, weil es in Wesel in “Waffenverbotszonen” anlasslose Kontrollen gibt. Leider konnte die Polizei Wesel keine Aussage dazu machen, in wie vielen Fällen Verstöße gegen das Waffengesetz im Zusammenhang mit “Erlaubnis-freien Schusswaffen” (“Kleiner Waffenschein”) festgestellt wurden. Hier scheint man eher von der von rechtsextremen gepuschten Behauptung der “Messermänner” Zahlen gegenüberstellen zu wollen.
Eine zweite rechte Behauptung ist übrigens die der kriminellen Ausländer. In 2024 wurden 7.854 Tatverdächtige mit deutscher Nationalität gezählt. Dem gegenüber standen 3.064 mit ausländischer Nationalität. Diese Zahl muss aber mit großer Vorsicht genossen werden, denn nach Auskunft der Polizei Wesel sind hier auch die Straftaten enthalten, die Deutsche nicht begehen können, also z. B. Verstöße gegen das Einreise- und Aufenthaltsrecht. Ebenfalls enthalten sind Straftaten von Reisenden, z. B. aus den Niederlanden, die sich nur vorübergehend hier aufhalten, aber straffällig werden.
Was die Einsatzreaktionszeit angeht, also vereinfacht die Zeit vom Anruf bei der Polizei, bis der erste Wagen eintrifft, ist Wesel in der Vergleichsgruppe der sogenannten “Flächenbehörden” auf Platz 1 und gleichbleibend gut.
Die Städte im Kreisgebiet im Kurzvergleich:
(Achtung: Keine Bewertung, ein direkter Vergleich ist nicht möglich und die Ursachen sind vielfältig! Es geht nur um die lokalen Schlaglichter!)
Alpen
Die Anzahl der Straftaten ist leicht von 411 Fällen in 2023 auf 418 in 2024 zurück gegangen. Leider auch die AQ von fast 54% auf nur noch knapp 48,5%. Leider nimmt die Gewaltkriminalität über die letzten Jahre konstant zu, während die AQ in diesem Bereich sinkt. Die Anzahl der Fälle von Raub hat sich verdoppelt, ist also um 100% gestiegen. Was dramatisch klingt, ist es aber nicht wirklich: von 1 von 2 Fällen. Diebstähle sind auf hohem Niveau fast konstant, die Anzahl der Einbrüche ist aber leider weiter gestiegen, von 14 Fällen in 2022 auf 28 Fälle in 2024.
Dinslaken
In Dinslaken gab es 4.440 Straftaten, von denen 47,14% aufgeklärt werden konnten. Während Raub und Gewaltkriminalität zurück gingen, ist trotz Cannabis-Legalisierung die Anzahl der Straftaten im Zusammenhang mit Rauschgift auf hohem Niveau, das gilt auch für Wohnungseinbrüche und Diebstähle.
Hamminkeln
Mit 1.160 Fällen von Kriminalität in 2024 ist man nach einem leichte Rückgang in 2023 wieder auf dem hohen Niveau von 2022 angekommen. Während die Gewaltkriminalität mit 29 Fällen im Vergleich zum Vorjahr fast konstant blieb, konnte die Aufklärungsquote auf über 93% erhöht werden. Diebstähle sind nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau, anders als in anderen Kommunen konnte zum Vorjahr auch kein Rückgang der Wohnungseinbrüche festgestellt werden.
Hünxe
Hier waren es 684 Straftaten, von denen 42,98% aufgeklärt werden konnten. Raub ist in absoluten Zahlen zwar gering, mit 5 Fällen, seit 2021 aber jährlich zunehmend. Die bekannt gewordenen Sexualdelikte konnten zu sensationellen 100% aufgeklärt werden. Diebstahl ist relativ konstant auf hohem Niveau mit einer erschreckend geringen Aufklärungsquote von nur 14,04%
Kamp-Lintfort
Seit gut 5 Jahren verharren die Straftaten auf hohem Niveau zwischen 2.257 und 2.406 Fällen. Die Gewaltkriminalität liegt mit 88 Fällen vergleichsweise hoch und leider auch konstant über die letzten 5 Jahre, mit einem starken Einbruch in 2023. Raub, Einbrüche, Drogen- und Sexualdelikte sind dagegen in einem Abwärtstrend.
Moers
Moers hat ein problem, weil bei fast gleichbleibender AQ von 52,06% die Anzahl der Straftaten mit 7.054 einen traurigen Rekord in den letzten 5 Jahren erreicht hat. Gleiches gilt für die 310 Fälle von Gewaltkriminalität, 61 Fällen von Raub. Diebstähle sind mit knapp 2.700 auf dem hohen Niveau des Vorjahres. Es gba einen leichten Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen und eine Halbierung der Rauschgiftdelikte auf den niedrigsten Wert seit 5 Jahren. Allerdings mit einer noch immer sehr hohen Fallzahl von 150, wenn man es auf die Einwohner und die Verteilung im Kreis herunter bricht.
Neukirchen-Vluyn
Ebenfalls ein trauriger Rekord bei den Straftaten (1.597) über die letzten 5 Jahre, gleiches bei der Gewaltkriminalität. Raub, Diebstahl und Sexualdelikte verharren auf einem vergleichsweise hohen Niveau, allerdings sind die Fallzahlen teilweise sehr gering, bei Raub z. B. 9 in 2024 und 2023 und 10 Fälle in 2022. Wohnungseinbrüche und Rauschgiftdelikte sind stark rückläufig.
Rheinberg
Die Anzahl der Straftaten ging zwischen 2023 (1.529 Fälle) und 2024 (1.343) deutlich zurück, während die Aufklärungsquote von unter 50 auf über 51% verbessert werden konnte. Die Gewaltkriminalität ist heftig eingebrochen, von 62 auf nur noch 34 Fälle. Ebenso Raub (11 auf 3 Fälle), Sexualdelikte (39 auf 26 Fälle) und Diebstahl (615 auf 471 Fälle). So geht es dann auch weiter und man kann nur sagen: Hut ab, in Rheinberg läuft gerade was gut!
Schermbeck
Trotzdem es nur eine kleine Gemeinde ist, sind 488 Fälle von Straftaten überraschend viel. Davon konnten allerdings mehr als 59% aufgeklärt werden. Raub und Sexualdelikte sind auf erfreulich niedrigem Niveau, letztere mit nur 7 Fällen auf dem Level von 2020. Dafür gab es aber einen traurigen Rekord mit 186 Fällen von Diebstählen, dem höchsten Wert der letzten 5 Jahre.
Sonsbeck
Die Zahl der Straftaten stagniert seit 2022 ungefähr (308, 295, 311). Nach einem Ausreißer in 2023 ist die Gewaltkriminalität mit nur 6 Fällen wieder auf dem Niveau von 2022 – aber hier gibt es einen “witzigen” Zyklus:
2020 – 6
2021 – 9
2022 – 6
2023 – 10
2024 – 6
Raub gab es gar nicht und nach 18 Fällen von Sexualdelikten im Vorjahr war es nur noch ein einziger in 2024. Wohnungseinbrüche und Drogen wie gewohnt auf niedrigem und im Vergleich zum Vorjahr weiter abnehmenden Niveau.
Voerde
Trotz 36.500 Einwohner*innen gab es nur 1.513 Straftaten, so wenig wie lange nicht mehr. Davon konnten dann fast 56% aufgeklärt werden. Die Gewaltkriminalität ging zurück, ebenso Raub, Diebstahl, Rauschgiftdelikte und Einbrüche.
Wesel
Nicht zuletzt wegen der hohen Einwohnerzahl ist Wesel “Spitzenreiter” mit 5.704 Straftaten und einem leider konstanten Anstieg der Gewaltkriminalität bei gleichzeitig geringer werdender Aufklärungsquote. Raub, Sexualdelikte, Diebstahl sind zunehmend problematisch, während Einbrüche und Drogenkriminalität nachgelassen haben.
Xanten
Xanten verharrt quasi bei den Straftaten (901 in 2023 zu 872 in 2024) und der Gewaltkriminalität (31 in beiden Jahren). Bei Raub, Sexualdelikten, Einbrüchen und Diebstahl ist ein abschmelzen der Fälle zu beobachten, während bei den Rauschgiftdelikten gegen den Trend ein Anstieg zu verzeichnen ist. Allerdings von nur 22 auf nur 23 Fälle.







