6. Haniel Klassik Open Air: Viel Verdi, ein Hauch von Kuba und etwas Mozart
Götz Alsmann brachte es auf den Punkt: Das Haniel Klassik Open Air atmet einen besonderen Geist. Vielleicht, weil es dazu beiträgt die Schwellenangst gegenüber der klassischen Musik, oft genug als Hochkultur gehandelt, abzubauen. Vielleicht auch, weil die Duisburger einen engen Bezug zu “ihrem” Orchester haben. Irgendwas ist da jedenfalls, was die Haniel Klassik Open Air so besonders macht. Nicht nur die Kulisse vor der das Ganze stattfindet.
Wenn Vitali Alekseenok arbeitet, dann mit Herz und Seele. Fast hüpfend und immer in Bewegung dirigiert er die Duisburg Philharmoniker bei diesem 6. Haniel Klassik Open Air. Allerdings hat Begeisterung öfters den Nachteil, dass sie sich auf das Tempo der Stücke auswirkt. So wirbelte die Ouvertüre von Don Giovanni regelrecht daher. Die “Polonaise” aus Tschaikowskys “Eugen Onegin” als Schnelltanz mag interpretatorisch reizvoll sein, dadurch verlieren aber die eher melancholischen dunklen Streicherpassagen ihre Wirkung. Eine Spur gemächlicher hätte auch dem “Gefangenenchor” aus Verdis “Nabuco” gut angestanden. Immerhin erzählt der Text hier von Sehnsucht nach der Freiheit.
Da war das “Adagio” aus dem Mozartschen Klarinettenkonzert in A-Dur, KV 622 ein klanglich schöner und tempomäßig berückender Satz. Warum man allerdings diesen Satz zwischen zwei längere Verdi-Szenen stellte bleibt ein Rätsel. Christoph Schneider und das Orchester spielten sich die einzelnen Motive zu und ließen die Musik atmen. Ebenfalls gelungen: Jake Muffet als Don Giovanni und Charlotte Lagner als Zerlina in “La ci darem la mano”. Muffet posierte als gewitzter Verführer, während Lagner sich zunächst noch sträubte, aber dann letztendlich nachgab. Ein wenig mehr Rachefeuer hätte die Interpretation der Donna Anna – Sylvia Hamvasi zusammen mit David Fischer – vertragen können. So blieb es eine solide Leistung, David Fischer konnte später als Lensky punkten. Selten zu hören sind Auszüge aus Mozarts “Cosi fan tutte”, das Sextett “Alla bella Despinetta” zeigte die hohe Ensemblekunst der Musiker.

Kubanisches Feuer brachten Marialy Pacheco am Flügel, Olvidio Ruiz als Sängerin, Miguel Attamar am Schlagzeug, Lorenzo Ludemann an der Trompete und Bassist Samuel Alberto Ruiz ins Programm. Zwei Arrangements ließen die kubanischen Musiker und die Duisburger Philharmoniker Funken sprühen, während die Solonummer charmanten kubanischen Flair verströmte. Eine Auflockerung, die nach dem Finale des zweiten Aktes aus “La Traviata” dringend nötig war. Überhaupt: Verdi.
Es ist so, dass der italienische Komponist aus keinem Konzertprogramm wegzudenken ist und auch in einem “Potpourri” oder gar “Pasticcio”, so Götz Alsmann, seinen Platz finden kann und darf. Allerdings ist ohne vorherige Erklärung etwa der 2. Aktschluss von “La Traviata” nicht so ganz nachvollziehbar. Sicherlich war das Niveau der Darbietungen hoch, aber konzeptionell müsste doch noch mal überlegt werden, ob nicht wenigstens eine kurze Einleitung vorab das Verständnis etwas hebt. So sitzt man halt ein wenig verdutzt vor der Arie aus dem “Trovatore”, “Tutto e deserto”, fragt sich worum es in der Arie des Zaccaria “Sperate, o figli” geht. Selbst beim Liebesduett zwischen Otello und Desdemona, dem Duett zwischen Jago und Otello – da hat man dunkel noch den Shakespeare eventuell im Kopf, aber wie war das noch mal? Wie gut, dass der “Imperial March” den Schlusspunkt setzte.
Die Fotostrecke zum Event ist unter folgenden Link abrufbar: https://xtranews.pics/index.php?/category/182



