BIAM: Aus dem Leben eines Mehrgewichtigem
Mir fällt es immer schwer den Kleiderschrank auszuräumen. Da aber meine Garderobe vor einigen Tagen in sich zusammenbrach, wortwörtlich, musste es wohl wieder mal sein: “Was verursacht mir Freude?” Behalten. “Mag ich das T-Shirt noch? Nein.” Kann dann mal weg, aber … dann doch nicht so ganz. Denn schließlich habe ich stundenlang im Internet recherchiert, bevor ich dieses T-Shirt gefunden habe. Es ist nicht einfach nur Basic, also einfarbig. Es hat auch keinen blödsinnigen x-beliebigen Aufdruck wie “Double Racing Team Oregon”. Als ob ich irgendwas mit Sport am Hut hätte. Nein, natürlich nicht. Aber wer sich mal umschaut in den Läden der Innenstadt, die noch Übergrößen führen, wird halt entweder Basic-T-Shits in Schwarz finden oder mit irgendwelchen Prints, bei denen man sich fragt, wer die entworfen hat.
Richtig modische Klamotten sind rar gesät. Sie sind das Ergebnis von aufwändiger Recherche, vom Wissen darüber, welches kleine Label eventuell etwas haben könnte, was mir gefällt. Schwierig wird’s ohnehin, wenn ich auch noch in Richtung GRÜNER KNOPF gehe. Oder zumindest an Fair Gehandelte Kleidung denke. Klar, da gibt es Label. Aber zu welchen Preisen?
Und dann ist es klar, dass das Aufräumen – egal ob Frau Kondo da Regeln aufstellt oder nicht – nicht so einfach von der Hand geht. Wenn ich das jetzt weggebe, krieg ich so ein T-Shirt vermutlich nie wieder. Nicht in dieser Größe. Farbe. Schnitt. Nicht so modisch. Nicht so farbenfroh. Diese Angst schwingt immer mit. Und auch: Welchen Aufwand muss ich wieder betreiben, um überhaupt etwas Modisches zu finden? Dass man dann als Mehrgewichtiger dazu neigt, Sachen so lange zum Tagen bis man sie als Netz zum Fischen verwenden kann … Nun. Da aber kaum Besserung in Sicht ist und der Kleiderschrank irgendwann nicht mehr zu geht … also … Freude oder Nicht-Freude?




