Wer oder Was (5)

Das Erlebte war nicht bloß ein Schock für mich, sondern ein äußerst bizarrer. In dieser Weise mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit konfrontiert zu werden, machte mich fast sprachlos, mein Magen fühlte sich flau an, und ich beschloss, mich der Polizei zu stellen. Ich hangelte mich am Geländer die Treppe hinauf, um zu dem Arzt zu gelangen, der mich zu jenem Vierbettzimmer gesandt hatte. Aber als ich die Tür zu seinem Raum erreichte, war sie verschlossen. Mutmaßlich hatte er zu tun, was auch immer, mir blieb lediglich, zu warten. Ich kauerte mich gegen die Tür.
Ein Zeitgefühl hatte ich nicht. Als der Arzt kam, begrüßte er mich mit den Worten: „Sie wirken auf mich aber elend. Geht es ihnen nicht gut?“ Ich antwortet nicht, folgte ihm lediglich in sein Zimmer.
- Haben sie die Löwen kennengelernt?
- Erwachsene trugen verschiedene Kinderkostüme, darunter waren Löwen und ein Rotkäppchen, aber dies ist nebensächlich, wie sonderbar es auch anmuten mag. Bespaßungen bis in den Tod regen mich nicht an, schon gar nicht, mehr über mich zu erfahren. Ich stelle mich der Polizei!
- Jetzt aber mal langsam! Auch die Polizei wüsste mit ihnen nichts anzufangen. Wenn sie keinen Namen angeben können, keine Personalausweiskartennummer. Ebenso wäre eine Gefängnisverwaltung völlig überfordert. Sie kämen zwangsweise zu mir zurück. Ich hatte für sie ein künstliches Koma angeordnet, zu ihrem Schutz.
- Und nun?
- Fällt ihnen nichts ein?
- Ich sollte mich mit der Wirklichkeit auseinandersetzen, in der Zwischenzeit ist viel geschehen, mich zunächst durch Nachrichten und Kommentare informieren. Triage und Versuche, Nahrungsbrei aus Leichen zu gewinnen, sind brisante gesellschaftliche Neuerungen, die ich aufzuarbeiten hätte.
- Fein. Ich könnte ihnen eine Besenkammer anbieten, in der ein Rechner steht. Vielleicht können sie dort sogar schlafen.
Schluss: https://xtranews.de/2022/10/17/provokation-id46215157.html


