Missverständnisse über Künste

Anders als ‚Kultur‘, können Künste ein gemeinsames Kriterium haben: autonome Tätigkeiten, sieht man von den konkreten Auseinadersetzungen ab, die in ihnen mit verschiedenen Zeichengruppen geschehen. Bildliche Zeichen grenzen sich deutlich von musikalischen ab, sprechen andere Wahrnehmungssinne an, was aber ein bildliches oder musikalisches Zeichen ist, obliegt dem jeweiligen Künstler, ob z.B. Klecks oder Geräusch. – Noten als musikalische Zeichen dienen lediglich der Tradierung, ich sehe deshalb in diesem Kontext von diesen grafischen Zeichen ab.
Ein weiteres Vorurteil, das mit Künsten nichts zu tun hat, wäre die Forderung, die Produkte hätten schön zu sein. Natürlich könnte vermutlich jeder über Schönheit oder Hässlichkeit einer Erscheinung fabulieren, sogar argumentieren, doch würde dies nichts an einer Beliebigkeit der Urteile ändern. Es wäre von einer emotionalen hin zu einer rationalen Diskussion zu wechseln. Ob etwas autonom, nach eigenen Regeln erzeugt wurde, ließe sich z.B. erörtern. Leider ist gesellschaftlich über Künste und deren Materialien wenig bekannt. Die Künste gehören nicht zum Bildungsrepertoire einer Industriegesellschaft, die Erlangung von Autonomie schon gar nicht.
Was aber könnte für Künste alternativ gelten? Wenn nicht schön, dann interessant, ließe sich vielleicht formulieren. Das würde jedoch in eine akademische Diskussion führen, wäre eventuell einzubringen. Doch diese Kritik verdeutlicht nur eine Ahnungslosigkeit über Künste und würde den geringen gesellschaftlichen Bildungsstand goutieren. Jede ernst zu nehmende Diskussion über Wirtschaft, Politik oder Physik hätte eine akademische zu sein. Alles andere wäre Meinungsgewäsch, Tresengelaber oder noch Schlimmeres.
Ob etwas gefällt oder nicht, ist sachlich völlig unrelevant. Es ist kein Wunder, dass in sozialen Netzwerken primär nach solchen Urteilen gefragt wird. Ein Tummelfeld für Behinderte?





