Fußball im Revier – Mit dem ganzen Herzen dabei
Das der Fußball im Revier etwas Spezielles ist, ist weitreichend und über die Grenzen der Region hinaus bekannt. Er polarisiert in beinahe allen Ligen des Landes. Und er ist für die Menschen noch “greifbar”. Denn im Revier wird der Fußball “gearbeitet”. Weit weg vom “Tiki Taka” und “in Schönheit sterben”. Xtranews sprach mit zwei ganz besonderen “Arbeitern” des harten Reviersports. Gerald Asamoah, 323 Bundesliga Spiele, ehemals Mittelstürmer u. A. bei Schalke 04 und Tim Stappmann, Verteidiger, aktuell bei Rot Weiß Oberhausen unter Vertrag. Was das Ausnahmetalent und den 43-fachen Nationalspieler verbindet, weshalb sich “Stappi” als echter “Fußball-Malocher” auszeichnet und wie steinig manche Wege in den Profifußball auch sein können, das lesen Sie hier:
Hallo Gerald, hallo Tim. Wo habt Ihr Euch eigentlich kennengelernt?
Gerald: Ich habe Tim das erste Mal gesprochen, nachdem er mich kontaktiert hatte. Er hatte mir dort von seinen eigenen Erfahrungen berichtet. Er wusste auch schon zu diesem Zeitpunkt, dass sich meine Stiftung für Aufklärung einsetzt. Tim hat den Kontakt zu mir gesucht und auch gefunden. Seitdem stehen wir im Kontakt und ich beobachte natürlich auch seine Karriereschritte. Ganz besonders habe ich mich gefreut, als ich vernahm, dass Tim nun auch wieder auf dem Platz steht und sich auf hohem Niveau präsentieren kann.
Tim, du bist schon im Profi-Fußball in einem Kader der Bundesliga tätig gewesen.Wie hat sich das angefühlt?
Tim: Meine Karriere begann beim MSV Duisburg. Ich habe bei der U-12 angefangen zu spielen. Es lief alles wie am Schnürchen, hatte nie irgendwelche Probleme. Ich habe schon immer im Stamm gespielt bis zum ersten Jahr der U-19. Dann bekam ich die Diagnose. War daraufhin ein Jahr lang inaktiv. Ich habe nie irgendwas gemerkt, hatte nie gesundheitliche Probleme. Man sagte mir, es sei eine hypertrophe Kardiomyopathie am Herzen. Im zweiten Jahr der U-19 bin ich dann nach Bayer Leverkusen gewechselt. Dort hab ich dann auch wieder angefangen aktiv Fußball zu spielen. Am Ende der Saison war ich sogar Mannschaftskapitän und durfte zweimal mit den Profis zusammen spielen. Daraufhin unterschrieb ich in Nürnberg einen Anschlussvertrag für zwei Jahre. Als ich in Nürnberg ankam, bin ich auch immer offen mit dem Thema meiner “HCM” umgegangen, denn es ist nun mal kein Problem um Leistungssport ausüben zu können.. Dann war auf einmal in Nürnberg, kurz vor dem Liga-Startschuss Schluss für mich. Der Arzt wurde auch unsicher. Er meinte, ihm wäre die Angelegenheit zu unsicher, da er sich mit der Materie nicht gut genug auskennen würde. Er war der Meinung, dies nicht mehr unterstützen zu wollen. Daraufhin bin ich dann zurück in die Heimat. Ich hatte erst keinen Verein. Daraufhin bin ich dann in die Oberliga, nach Meerbusch in einen Verein gewechselt um auch im Training bleiben zu können. Ich habe dort 15 Spiele bestritten. In diesem Jahr bin ich dann zu RWO gewechselt. Bin dort immer durch gute Leistung aufgefallen, hatte aber durch die Kadersituation auf meiner Position nur geringe Chancen gehabt zu spielen, da vor mir zwei gestandene Größen standen, die mich in den Schatten gestellt haben. Man wollte diese nun aufgrund der Aufstiegspläne auch nicht gegen einen Youngster auswechseln. Gegen Aachen hat man mich dann mein erstes Spiel von Anfang an machen lassen. Ich hoffe, dass das auch so weitergehen wird für mich. Für mich geht es endlich wieder richtig los. Das mit Nürnberg hat mich zwar nach hnten versetzt jedoch bin ich stärker zurück gekommen. Ich hatte mich auf die Saison gefreut, hatte dort quasi schon gelebt. Hatte eine Wohnung und einen Vertrag, der echt super war. Der Rückschlag war im ersten Augenblick wirklich hart für mich. Doch ich denke, dass es meiner persönlichen Entwicklung gut getan hat. Mein nächster Schritt ist es in der Regionalliga Fuß zu fassen. Ich merke auch für mich, dass das machbar ist und ich sehe mich in der Zukunft mindestens zwei Ligen höher. Man spielt ja in der Regionalliga schon vor rund 4.000 Zuschauer. In Essen haben wir vor 15.000 Zuschauern gespielt. Das sind schon gute Größen um sich allmählich daran zu gewöhnen. Ich hoffe, dass es so positiv weitergeht für mich.
Hast du das Spiel von Tim gegen Aachen gesehen, Gerald?
Gerald: Leider nicht live, allerdings habe ich mich sehr für ihn gefreut, als ich davon gehört habe. Es ist toll, dass er über die volle Distanz gegen Aachen gehen konnte. Es war ja schon schade, dass es für ihn in Leverkusen nicht geklappt hat. Aber umso erfreulicher ist es jetzt, dass er in Oberhausen das Vertrauen erhält und sich wohl fühlt.
Was ist eine “HCM“?
Tim: Ich habe den gleichen Stand am Herzen, wie Gerald. Eine hypertrophe Kardiomyopathie. Es gibt am Herzmuskel eine ganz leichte Verdickung der Herzwand. Bei mir ist diese sehr leicht ausgeprägt. Bei Gerald ist diese Form weitaus ausgeprägter und er hat trotz allem über 500 Spiele im Profifußball bestritten. Manche Ärzte waren bei mir zunächst unsicher, doch mittlerweile sehen sie keine Probleme an meiner körperlichen Verfassung. Ich bin auch in sehr guten Händen. Man hat mir eine uneingeschränkte Hochleistungssport-Tauglichkeit attestiert. Es wurden zahlreiche Gutachten ausgestellt. Ich nehme meine jährlichen Routineuntersuchungen auch wahr, doch es hat sich nichts verändert an meiner körperlichen Verfassung. Ich bin nach wie vor topfit und einsatzbereit. Es wurde zunächst ein riesen Hype um etwas bei mir gemacht, was im Nachhinein überhaupt nicht so schlimm ist.
Tim, wie hast Du Dich während der Corona Situation fit gehalten?
Tim: ich habe mich mithilfe eines Plans meiner Beratungsagentur Batz & Bialas fit gehalten. Dieser wurde individuell für mich erstellt. Zusätzlich war ich Montags bis Freitags in Duisburg in einem Sportzentrum wo ich unter Betreuung von einem Trainer und einem Physio jeden Tag trainiert habe. So bin ich nicht aus dem Rhythmus gekommen und halte ich bereit falls die Saison unerwartet weiter geht.
Du sagtest, dass Du einen Vertrag mit Nürnberg hattest. Wärest Du generell dazu bereit den Ruhrpott zu verlassen, wenn das Angebot stimmt und man Dir eine Chance bietet?
Tim: Ich habe zum Glück immer und an jedem Ort meine Familie hinter mir. Es ist aber aktuell Null Komma Null Thema für mich, denn ich konzentriere mich voll auf RWO und die Aufgaben hier. Die Fans im Ruhrgebiet schaffen durch ihre Leidenschaft zum Verein eine besondere Atmosphäre, welche mir sehr gefällt und einen Wohlfühlfaktor erzeugt. Dadurch kann ich es mir aktuell nicht vorstellen den Verein und das Ruhrgebiet zu verlassen. Der Reviersport ist schon was ganz besonderes.
Kämst du mit Geisterspielen klar?
Wenn die Geisterspiele vom Verband aus zwingend sind ist man Leistungssportler genug um weiterhin 100% abzurufen, jedoch möchte ich die Fans bei den Spielen nur noch ungerne missen. Klar hat man auch als kleiner Junge und in der kompletten Jugend, Fußball aus Leidenschaft und ohne Zuschauer gespielt. Wirtschaftlich macht es in der Regionalliga wenig Sinn Geisterspiele auszutragen, da ansonsten viele Traditionsvereine in die Insolvenz stürzen würden.
Was glaubst Du, wie geht es nun mit RWO weiter?
Ich hoffe natürlich dass die Situation nicht allzu lange anhält und dass ich bald schon wieder auf dem Platz stehen kann. Für die Mannschaft und den Verein hoffe ich dass wir den Aufstieg in die 3. Liga schaffen und somit den Verein und die Region stolz machen können.
Die Lizenz ist eingereicht und ein Verein wie RWO mit dieser Struktur hat den Aufstieg auch mehr als verdient.
Was denkst Du, wie kannst Du bei der Mission Aufstieg helfen?
Ich versuche mich bestmöglich in die Mannschaft mit meinen Stärken einzubringen. Diese sind meiner Meinung nach und auch über die Jahre von all meinen Trainer bestätigt ganz klar meine Schnellig/ Wendigkeit, Zweikampfstärke, Kommunikation, mein Kopfballspiel, mein Aufbauspiel und am allermeisten meine Mentalität. Welche durch meine Vergangenheit umso stärker ausgeprägt ist. Aber eigentlich ist das eine Frage die man besser meinem Trainer stellt.
Was wünscht Du, Gerald, Tim für seine Zukunft?
Gerald: Tim ist ein lieber Mensch und ein unheimlich guter Sportler, mit dem Herz am rechten Fleck. Ich wünsche ihm nur das Beste und dass er seine ambitionierten Ziele auch erreicht. Ich hoffe, ich kann ihm immer wieder Mut machen und zur Seite stehen.
Vielen Dank Euch beiden für das Interview.







