
Kennengelernt hatte er schon alle Ebenen der Politik. Er kandidierte erfolglos für den Bundestag, den Landtag und wollte für den Rat der Stadt Duisburg kandidieren. Hier legte aber die Duisburger CDU ihr Veto ein- ein seltener Vorgang in der Kommunalpolitik.
Ihm blieb nur noch als Vorsitzender seines Marxloher CDU-Ortsvereins Ansprüche auf eine Kandidatur auf den 4. Listenplatz in der Hamborner Bezirksvertretung zu erheben.
Der Kandidat führte jeweils Wahlkämpfe, die oft abseits der Linie der eigenen Partei waren und teils bizarre Ausmaße annahmen. So brachte er sich ausgerechnet mit dem Comedian Abdelkarim zusammen, der mit ihm einen Beitrag für die „heute Show“ produzierte. Was wohl als Wahlkampfhilfe gedacht war, ließ der politischen Konkurrenz die Tränen vor Lachen in die Augen treiben. Seitdem hat er den Spitznamen „Der Sheriff von Marxloh“ weg.
Die politische Forderung nach staatlich voll geförderten Arbeitsverträgen für alle Jugendlichen, die ein halbes Jahr arbeitslos sind, war nur ein Teil seiner offiziellen Wahlkampfforderungen, die absolut gegen die Philosophie seiner eigenen Partei gingen.
Im Landtagswahlkampf versprach er weiter, das Müllproblem, welches den Stadtteil Marxloh seit Jahren plagte, noch vor der Wahl zu lösen, was ihm natürlich nicht ansatzweise gelang.
Seinen Kommunalwahlkampf als Bezirksvertreter, der auf Position 4 noch nicht einmal namentlich auf dem Wahlzettel erwähnt wird, führte er, als wolle er Oberbürgermeister der Stadt Duisburg werden.
In teils emotionalen Videos forderte er immer wieder, dass die Menschen den Politikwechsel wählen sollten und schob alles, was in Duisburg nicht funktioniert auf die SPD mit dem Oberbürgermeister Sören Link. Dabei ignorierte er komplett, dass seine eigene Partei in einer informellen Koalition mit genau dieser stark kritisierten SPD seit 2012 gemeinsam Politik machte. Er kritisierte zudem Beschlüsse, die seine eigene Partei in der Bezirksvertretung und im Rat der Stadt mit beschlossen hat.
So rätselten Viele, welchen Politikwechsel er jetzt meinte, denn viele Vorwürfe richteten sich gegen Verantwortliche seiner eigenen Partei im Verwaltungsvorstand der Stadt.
Bei der Kommunalwahl 2025 in Duisburg dürfte der Kommunalpolitiker, der in seiner Partei inzwischen als isoliert gilt, den Bogen endgültig überspannt haben.
Das Duisburger Wählerbündnis SGU hat Einspruch gegen das Wahlergebnis im Bezirk Hamborn eingereicht und detailliert mit Beweisen wie zum Beispiel Chatprotokollen ihre Eingabe unterlegt.
Anzumerken ist, dass ein Einspruch erst nach Veröffentlichung des Wahlergebnisses im Amtsblatt am 26.09.2025 erfolgen kann, die detaillierten Schilderungen dürften aber bereits jetzt die Staatsanwaltschaft aufhorchen lassen.
Der Xtranews-Redaktion vorliegende Kopie dieses Einspruches lässt in tiefe Abgründe eines Kandidaten blicken, der wohl seiner Partei mit allen Mitteln und einem wohl 5-stelligen privaten Geldaufwand zeigen wollte, dass er doch ein Mandat gewinnen kann.
Der Einspruch des Wählerbündnisses SGU, welches sich geschädigt sieht, liegt inzwischen der Polizei vor. Die Verfahrensnummer liegt der Redaktion vor.
Die Vorwürfe der SGU gegen den Kommunalpolitiker wiegen schwer. Das Wählerbündnis berichtet detailliert und unterlegt mit Beweisen folgenden Sachverhalt:
Monate vor der Wahl wurde dem Wählerbündnis SGU von mehreren Menschen aus der Roma-Community zugetragen, dass der Kommunalpolitiker in der Gruppe für die CDU warb und versuchte mit monetären Mitteln Stimmen zu akquirieren.
Das Wählerbündnis SGU versuchte zu verdeutlichen, dass hier falsche Absichten seitens der CDU und des Kommunalpolitikers vorlägen und dessen Vorgehensweise strafbar sei. So konnten sie wohl seinerzeit die Wähler zum Umdenken bewegen. Zumindest war man davon überzeugt, bis zum Wahltag am 14.09.2025.
Das Wählerbündnis SGU, welches beim Wahlamt Beschwerde eingelegt hat, sei in der Roma-Community nach eigenen Angaben sehr aktiv und stellte aus der Gruppe der Neuzuwanderer sogar drei Kandidaten auf. Einer dieser Kandidaten trat in Marxloh für die Bezirksvertretung Hamborn an. Als am Ende der Auszählung festgestellt wurde, dass das Wählerbündnis SGU lediglich 2 Stimmen in Marxloh erzielte, untersuchte man die Ergebnisse und stieß auf erhebliche Ungereimtheiten.
Aus sicheren Quellen bekam das Wählerbündnis SGU Information, der Kommunalpolitiker von der CDU „habe die Stimmen der Roma in Marxloh erkauft“. Für jede Stimme versprach dieser, laut Aussage einiger Roma 25,-€. Viel Geld für Menschen, die meist am Rande des Existenzminimums oder darunter leben.
Einem „Mittler“ der namentlich bekannt sei, den der Kommunalpolitiker extra aus der Community akquirierte, soll ebenfalls eine „Provision“ für jede Stimme versprochen worden sein. Dieser „Mittler“ begleitete am Wahltag zahlreiche Roma zum Wahllokal. Er soll die Wähler teilweise sogar bis zur Wahlurne geführt haben.
Weiter soll in den Wahllokalen den Wählern sogar gezeigt worden sein, an welchen Stellen sie ihre Kreuze zu setzen haben.
Als sie von den vor Ort eingesetzten Wahlhelfern auf das Fehlverhalten angesprochen wurden, wurde stets erklärt, dass die Wählerinnen und Wähler angeblich nicht lesen könnten und sie würden daher lediglich als Übersetzer agieren.
Dies geschah in mehreren Wahllokalen des Stadtteils..
Den Wahlhelfern fiel dieses auf, doch aktiv eingegriffen wurde hier laut SGU nicht. Dies wird vom Wählerbündnis bemängelt. „So etwas darf in einer demokratischen Wahl nicht vorkommen“, heißt es im Einspruch an das Wahlamt.
Der „Mittler“ aus der Community war offensichtlich verantwortliche dafür, die Roma zu akquirieren und dafür Sorge zu tragen, dass so viele von ihnen wie möglich zur Wahlurne gebracht wurden. Laut Aussage des Wählerbündnisses SGU habe der eingesetzte Mittler, der selbst aus der Roma-Community stammt, einige Tage zuvor viel Werbung in einem bekannten sozialen Netzwerk für den Kommunalpolitiker gemacht, indem er sogar damit warb, dass es jede Stimme bezahlt werden würde.
Der Wortlaut war, dass es „ein Stück Kuchen“ gäbe“, berichtet ein Vertreter des Wählerbündnisses SGU. Dies sei ein Code in der Roma-Sprache für Bezahlung.
Der Post in dem Netzwerk wurde zwischenzeitlich gelöscht, nachdem man den Mittler darauf hinwies, dass dies sein Nachteil werden könne. Doch der Beitrag sollte im Falle einer Strafverfolgung durch Anordnung der Staatsanwaltschaft wieder sichtbar gemacht werden können.
Da dem Wählerbündnis SGU die besagte Roma-Community sehr bekannt sei, kontaktierte deren gesetzte Kandidatin den besagten „Mittler“ und stellte ihn zur Rede. In diesem Gespräch, welches vom Wählerbündnis aufgezeichnet wurde, gab er an, dass die Roma Angst hätten vor dem Kommunalpolitiker und einer möglichen Konsequenz, dem Aufruf nicht nachzukommen.
Er besäße wohl mehrere Immobilien in dem Wahlkreis und habe den Roma angedroht, die Mietverhältnisse aufzukündigen, wenn sie nicht in seinem Sinne wählen.
Aus Angst unterstützen die Roma den Kommunalpolitiker in seinem Vorhaben, ihre Stimmen für die Wahl zu gewinnen. „Hierfür gäbe es noch weitere Zeugen aus der Roma-Community, die uns dies bestätigten“, teilte das Wählerbündnis XN im Redaktionsgespräch mit.
„Des Kommunalpolitikers (Name von der Redaktion unkenntlich gemacht) kriminelle Energie bestand nicht nur darin zu versuchen, die Wahl mit strafbaren Handlungen zu gewinnen. Er brachte die Wählerinnen und Wähler dazu, seine eigene Partei (CDU) zu schädigen, indem die Stimmen für den Stadtrat an Zinar Akyüz gingen, einem im Stadtteil vollkommen unbekannten Einzelkandidaten, während die Stimmen für die Bezirksvertretungswahl an die CDU gingen.
Der Hintergrund für diese Taktik bezüglich der Bezirksvertretung scheint logisch. Der besagte Kommunalpolitiker stand auf Platz 4 der CDU Bezirksliste. Damit er in das Gremium hineinrutscht, muss die CDU knapp ¼ der Stimmen erhalten.
Unklar ist im ersten Moment der große Erfolg des ominösen Einzelkandidaten Zinar Akyüz, der nicht einmal mit Wahlplakaten im Stadtteil vertreten zu sein schien. Auch auf den zahlreichen Veranstaltungen im Rahmen des Wahlkampfes trat er nicht auf.
Klarer wird das Bild nach einer Xtranews Recherche. Akyüz lebt 2 Stadtteile von Marxloh entfernt.
Auf Linkedin gibt er an, derzeit ein duales Studium in Wuppertal und Duisburg zu absolvieren.
Brisant wird der zweite Eintrag, den Google auswirft.
Der CDU Kreisverband weist ihn als Beisitzer im Vorstand der CDU Marxloh aus. Vorsitzender dieses CDU-Ortsvereins ist aktuell der besagte Kommunalpolitiker.
Ob die Daten der CDU bezüglich Akyüz aktuell sind, lässt sich nicht bestätigen.
Normalerweise darf, wie bei anderen Parteien auch ein Vorstandsmitglied der CDU nicht außerhalb der CDU kandidieren, schon gar nicht im eigenen Ortsvereinsgebiet. Möglich ist, dass Akyüz inzwischen aus dem Vorstand ausgeschieden ist, um diese Kandidatur anzutreten.
Im Endeffekt ergibt sich das klare Bild, dass der Kommunalpolitiker, dem die Ratskandidatur verwehrt wurde, über diesen Weg einen von ihm gesteuerten Ratsherrn für Marxloh platzieren wollte – gegen den eigenen Ratskandidaten der CDU.
Wer die Zahlen der Stimmen analysiert, wird feststellen, dass die Stimmen für den Stadtrat der CDU fehlen“, schreibt das Wählerbündnis SGU an das Wahlamt in ihrem Einspruch. „Wir legen Einspruch gegen die Wahl für die Bezirksvertretung Hamborn ein. Die Wahl muss wiederholt werden“, wird gefordert.
Xtranews hat die Stimmen aus den betroffenen Marxloher Wahllokalen analysiert. Man erkennt sofort die Substanz die hier gestellten Vorwürfe.
Der von der CDU gestellte Ratsherr Norbert Wormuth erzielte in Marxloh gerade mal 7,3 %.
Auffällig hingegen ist das Wahlergebnis der Bezirksvertretung. In dieser kommt die CDU in Marxloh auf ein auffälliges Ergebnis von 23,32%. Besonders auffällig wird es, dass der in Marxloh komplett unbekannte Einzelbewerber für den Rat sagenhafte 16,6% erhält. Addiert man die Summen der CDU-Ratskandidatenstimmen und die des Einzelbewerbers zusammen, erhält man fast auf die Stimmen genau die Anzahl der Stimmen, die für die CDU in der Bezirksvertretung im Stadtteil Marxloh erreicht wurden.
Das Ganze absolut symmetrisch in jedem betroffenen Wahllokal.
Da bei allen anderen Parteien keine großartigen Differenzen im Stimmenverhältnis zwischen Rat und Bezirksvertretung erkennbar sind, kann sicher davon ausgegangen werden, dass aktiv von dem Bezirksvertretungskandidaten der CDU aufgerufen wurde, die Stimme für den Rat nicht dem eigenen Ratskandidaten, sondern dem fremden Einzelbewerber zu geben.
Trotz des gigantischen Aufwandes ist es dem Kommunalpolitiker nicht gelungen, die Wahl zu seinen Gunsten so zu manipulieren, dass ein mandatsrelevantes Ergebnis herausgekommen wäre.
Für die SPD holte der alte Ratsherr Dieter Stradmann den Wahlkreis. Dicht gefolgt von der AfD. Erst danach kam mit 7ß Stimmen Abstand Zinar Akyüz.
Der besagte Kommunalpolitiker schaffte es auch nicht, seine CDU-Stimmen im Stadtteil so hochzutreiben, dass die CDU im Bezirk auf 4 Sitze kam.
Der Kommunalpolitiker bleibt also, wie bei allen Kandidaturen in Bund und Land auch bei der Kommunalwahl eine traurige, wenn nicht gar tragische Gestalt, die sie nur eine griechische Tragödie hervorbringen kann.
Sicher wird man vom „Sheriff von Marxloh“ auch in nächster Zeit hören. Er und der von ihm geschaffene Einzelkandidat dürften sich in nächster Zeit mit mehreren Gerichtsverfahren auseinandersetzen müssen. Dazu ist sehr wahrscheinlich, dass seine Partei, die Duisburger CDU ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn führen wird.
Sollten sich die Vorwürfe des Wählerbündnisses SGU bewahrheiten, was anhand der Faktenlage wahrscheinlich ist, handelt es sich hier nicht um ein Kavaliersdelikt.
Die Manipulation von Wahlen ist eine Straftat, die mit bis zu 5 Jahren Gefängnis oder Geldstrafe zu Buche steht. Erschwerend hinzu kommt hier sicher auch die kriminelle Energie, die offensichtlich an den Tag gelegt wurde.
Der „Mittler“ aus der Roma-Community dürfte sich mit einem Strafverfahren wegen Beihilfe konfrontiert sehen.
Einen vergleichbaren Fall gibt es nach Recherchen von Xtranews in Deutschland bisher nicht.
Rechtskräftige Gerichtsurteile beschäftigten sich meist mit 2 stelliger Anzahl von Stimmmanipulationen. Hierfür gab es rund 1,5 Jahre auf Bewährung. Im Duisburger Fall haben wir es aber mit mehr als der vierfachen Anzahl an Stimmen zu tun.
Massiv geschädigt wurde auch die Stadt Duisburg und zahlreiche ehrenamtliche Organisationen, die sich mit dem Thema der Demokratie beschäftigen.
Das kommunale Integrationszentrum bemüht sich seit Jahren, die Migranten-Community der Roma für Demokratie und Beteiligung zu gewinnen.
Der Duisburger Demokratiekreis hatte sogar am 30.08.2025 ein großes Demokratiefest in Marxloh veranstaltet, um speziell Menschen aus Bulgarien und Rumänien zu ihrem Wahlrecht zu informieren. Fast alle Parteien informierten über ihr Angebot. Über die Hälfte der Oberbürgermeisterkandidaten diskutierte auf der Bühne. Zahlreiche Dolmetscher übersetzten das Gesagte in die jeweilige Landessprache.
All diese Bemühungen dürften nun in Marxloh erst mal umsonst gewesen sein. Es wird ein großer Aufwand wieder Vertrauen aufzubauen, dass Demokratie in Deutschland etwas anders funktioniert, wie in den Heimatländern.
Dort ist es üblich, dass Kandidaten zur Wahl in die Romas-Siedlungen gehen und die Menschen mit kleinen Geldgeschenken, einem Kasten Bier oder einem Essen für die Stimmabgabe gewinnen.
Leidtragende sind in diesem Fall hauptsächlich die Marxloher Roma, die wie in ihren Heimatländern oft verachtet, aber bei Wahlen als billiges Stimmvieh missbraucht werden.
Es wird in den nächsten Jahren in Marxloh viel zu reden sein über gelebte Demokratie – und vielleicht auch über anstehende Gerichtsurteile.