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Duisburg: Corona-Fälle an Gesamtschule – Eltern kritisieren Land NRW und Stadt

Nach Corona-Fällen an der Gesamtschule Duisburg-Mitte wendet sich die Elternvertretung mit einem offenen Brief an die Stadt und das Land NRW.

In diesem heißt es wie folgt:

Sie verspielen die stärkste Waffe, die wir gegen das Virus haben – Vertrauen!
Informationschaos durch das Gesundheitsamt nach zwei positiv getesteten Lehrern. Konzeptlose Aufhebung der Maskenpflicht. Fragen an das Schulministerium bleiben unbeantwortet.

Offener Brief an den Ministerpräsidenten des Landes NRW und den Oberbürgermeister der Stadt Duisburg

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

als gewählte VertreterInnen von 1.300 Eltern der Gesamtschule Duisburg-Mitte haben wir von Beginn der Schulschließung an das Gespräch mit Schulleitung, Lehrkräften und
Schülervertretung gesucht, um die Folgen der einschneidenden, aber nötigen Maßnahmen der Schulschließungen zu minimieren. Mit viel Engagement, Verständnis und Austausch haben wir gemeinsam Schlimmeres verhindert und so die Schulgemeinschaft in der Krise sogar noch gestärkt.

Wir haben – wie der weit überwiegende Teil der Bevölkerung – darauf vertrauen können, dass im Krisenmanagement auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse entschieden wird, welche Einschränkungen nötig und welche Freiheiten möglich sind.

Wir haben nach der Schulmail vor Beginn der Schulferien darauf vertraut, dass die Ferienzeit genutzt wird, um das Lernen und Arbeiten an den Schulen im neuen Schuljahr unter Corona-Bedingungen konzeptionell, personell, technisch und organisatorisch vorzubereiten, ohne den weiter nötigen Infektionsschutz zu vernachlässigen. Wir haben die Schuldezernentin der Stadt
Duisburg (am 25.07.) und das Schulministerium (am 12.08. unter der eigens dafür eingerichteten email-Adresse) zum Stand der Vorbereitungen befragt. Die Schuldezernentin hat unsere Fragen, wenn auch wenig konkret und nicht vollständig, doch ausführlich beantwortet, vom Schulministerium erhielten wir nicht einmal eine Eingangsbestätigung.

Am Montag, 24.08.20, wurden zwei Lehrkräfte und ein Schüler unserer Schule positiv auf das Corona-Virus getestet. Die Vorgehensweise und Informationspolitik des Gesundheitsamts der Stadt Duisburg macht leider erschreckend deutlich, dass weder eine Nachverfolgungs- noch
eine Informationsstrategie vorbereitet wurde: Für die Infizierten wurde zwar Quarantäne angeordnet, weitere Maßnahmen seien aber nicht nötig oder vorgesehen. Auf unsere Nachfrage erklärte uns das Gesundheitsamt am 26.08.:

„Zur Absicherung bieten wir diesen Kontakten am kommenden Montag, ca 1 Woche nach Kontakt zum dann sicheren Ausschluss einer Infektion noch einen Test im TaM an.“

Auf unsere Rückfrage, wie das denn organisiert werde, wollte man am Freitag, 28.08., von diesem Angebot nichts mehr wissen und antwortete:

„Für die 2 infizierten Lehrer der Schule gilt, dass sie im Unterricht mit den Kursen die
Abstände eingehalten haben und daher keine Teste der Schüler in diesen Kursen erforderlich sind. Schüler und Lehrer mit Beschwerden können und sollten sich
grundsätzlich über die Hausärzte beim TaM testen lassen.“

Die beiden Lehrer hatten – teils ohne Mund-/Nasenschutz – in der Woche mindestens 340 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, das Gesundheitsamt interessierte sich aber nur für zwei Unterrichtstage (200 Schüler), ohne zu wissen, wie lange die Infektionen schon
bestanden hatten.

Doch trotz aller mittlerweile bekannten und anerkannten Erkenntnisse über die Aerosolbelastung in geschlossenen Räumen, die Infektionsgefahr durch asymptotisch Infizierte und dass „Alltagsmasken“ aus Stoff in erster Linie Andere schützen, werden Sorgen von Familienangehörigen, die Risikogruppen angehören, ignoriert und auf eine
„Teststrategie“ (bei Beschwerden zum Arzt gehen!) verwiesen, die 6 Monate alt ist. Für so eine Aussage brauchen wir kein Gesundheitsamt.

Wir halten es für unverantwortlich und anmaßend, Eltern und Schülern freiwillige Tests zu verweigern.

Können Sie die Verantwortung dafür tragen, wenn nur ein einziges Kind im Unterricht trotz Maske infiziert wurde und das Virus an seine vorerkrankte Oma überträgt?

Am gleichen Tag, an dem das Gesundheitsamt eine Nachverfolgung und freiwillige Tests ablehnt, weil ja Abstände eingehalten und Masken getragen worden seien, erfahren wir von der Landesregierung, dass die „Maskenpflicht“ ab 01.09. ausgesetzt sei, weil „der Anteil von NRW an den Corona-Neuinfektionen in Deutschland“ (NRZ) gesunken sei. Hier zeigt sich eine atemberaubende Konzept- und Kompetenzlosigkeit, denn wenn in
anderen Bundesländern die Zahlen schneller steigen als hier, sinkt auch der NRW-Anteil. So eine Aussage ist daher für eine Risikobewertung und erst recht für eine Aussetzung einer Schutzmaßnahme völlig ungeeignet, die Entscheidung ist damit grob fahrlässig und verantwortungslos, auch weil die Schulen mit der kurzfristigen Umsetzung überfordert sind, Sorgen und Verunsicherung von Personal, Schülern und Eltern ignoriert werden.

Diese beiden Entscheidungen auf Landes- und Kommunalebene haben sich an unserer Schule zufällig überschnitten. Sie addieren sich zu der Problematik, dass bereits 13 von gut 100 Lehrkräften durch Vorerkrankungen nicht in Präsenz unterrichten können und kollegial durch Überstunden vertreten werden müssen, während von den versprochenen Aushilfskräften, Sofortausstattungen und neuen Lernkonzepten weit und breit nichts zu sehen ist. Sie zeigen, dass wertvolle Zeit zur Vorbereitung des Schullebens unter Corona-Bedingungen vertan wurde, und dass wir uns nicht mehr darauf verlassen können, dass Ihre Entscheidungen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen.
Sie verspielen damit das Wichtigste bei der Bekämpfung einer Pandemie: Das Vertrauen der Bevölkerung!