
Es ist, als würde Bosse keine Pause-Taste kennen. Selbst bei den etwas ruhigeren Stücken wie “Schwesterherz” ist er immer in Bewegung. Genauso wie das Programm des Konzertes zwar Ruhepunkte kennt, aber es ist immer nur ein kurzes Innehalten, in dem dann Klavierklänge mit dem verstärktem Cello Akkorde in den Raum setzen, in denen das Licht etwas gedämmter ist als sonst. Die Trompete vielleicht einen Hauch trüber klingt also zuvor. Doch das ist wirklich nur kurz, bald schon wieder setzt der wuchtige Bass ein, die Hände werden zum Himmel gereckt und Bosse wirbelt über die Bühne. Woher nimmt dieser Mann nur diese Energie, die die ganze Zeit konstant ist? Vielleicht auch aus seinen Überzeugungen: Eröffnet wurde das Konzert nämlich mit “Lass dich nicht zwicken”, der familienfreundlicheren Version der Single, die dank TikTok viral wurde. Bosse mit Megaphon sich den Weg durch die Menge bahnend. In diesen Zeiten, so Bosse später, sei es wichtig, dass man zusammenstehe gegen Hass und Gewalt. Ebenso kritisiert er die Algorithmen, Social Media – mit “Gib mir mein Nokia zurück” springt Bosse zurück in die Zeit bevor das Internet richtig mobil wurde und man abends nach Hause ging, wenn es dunkel wurde.
Natürlich dürfen an diesem Abend Stücke wie “Frankfurt/Oder”, “Schönste Zeit”, “So oder so” nicht fehlen. Dabei gibt es im Arrangement der Songs ab und an einige Überraschungen. Spanisches Flair durchweht die Turbinenhalle für einen Moment, überhaupt überträgt sich die Spielfreude von Bosse auf die ganze Band. Hängenbleiben wird am Ende des Konzerts dieser eine Moment, von dem man sich fragt, ob es wirklich so war, dass Bosse mitten in der Menge auf dieser Leiter stand, umweht von Konfetti und Papierschlangen, unwirklich und doch real … und dann vom Papier in der Jacke bestätigt wird, den man dann in seine Erinnerungsbox packt: Das war kein Traum. Das war echt. Authentisch. Wie Bosse so ist.