
Den Auftakt machten die Duisburger Philharmoniker mit der Ouvertüre aus “Die verkaufte Braut” von Bedrich Smetana. GMD Stefan Blunier führte mit strikten und präzisen Angaben das Orchester, das die fröhliche Atmosphäre eines Kirchweihfestes vorzeichnete. Das muss frisch, dynamisch und auch in einem gewissen Tempo gespielt werden, wobei die einzelnen Stimmungswechsel auch nicht herausfallen dürfen. Das Tempo stimmte, zupackend waren die Einsätze der Instrumente auch. Allerdings glückten die Übergänge in die leiseren und lyrischeren Stellen der Ouvertüre nicht so ganz. Beim nachfolgenden Duett Hans – Maria zeigten sich die Philharmoniker dann sehr präsent. Das Orchester brillierte mit der Zugabe, der Konzertsuite zu “Die glorreichen Sieben” von Elmer Bernstein.
Normalerweise bringt Pfeifen auf der Bühne Unglück, aber in der Arie des Mefistofele von Arrigo Boito gehört Pfeifen dazu. Bogdan Talos lieferte eine sehr vergnügliche Interpretation dieser wenig bekannten Arie ab. Vorher und nachher ging es mit Verdi eher dramatisch zu. Zuerst bewies der Damenchor der Deutschen Oper am Rhein sein Können im Schleierlied aus “Don Carlos”. Sarah Ferede und Anna Sophia Theil waren die Solistinnen. Im Schmiedechor kam dann der gesamte Chor der Deutschen Oper zum Tragen. Ein Stück, das angesichts der Orchestrierung, hier wird im Refrain auf Eisen gehämmert, durchaus ein stimmstarkes Ensemble braucht, das dann auch rechtzeitig vom Forte wieder ins Piano schalten kann. Mit “Soliman, Notre Roi” aus der “Königin von Saba” von Gounod verabschiedete sich der Chor dann. Warum von Gounod auf den Bühnen der Republik ständig nur sein Faust und allenfalls seine “Romeo und Julia”-Interpretation gespielt wird, bleibt angesichts dieses Chores ein Rätsel.
Anna Sophia Theil wird ab November als Eliza Doolittle zu hören sein. Eine Kostprobe aus dem Musical gab es mit “I Could Have Danced All Night”. Ein zupackendes Orchester lieferte die Basis für eine sich nicht zurückhaltende Theil, die diesem Triumph der Eliza packend Timbre und Charme verlieh. Man darf auf ihre Eliza im November gespannt sein. Vorab spazierte Freddy Eynsford-Hill noch durch die Straße, in der sie wohnt – “On the Street Where You Live”. Wobei das ein eher recht rascher Spaziergang war, als hätte es Freddy sehr eilig, nach Hause zu kommen.
Mit “The Bearers of Light” brachten die Philharmoniker zusammen mit Koray Berat Sari und seinem Ensemble Musik zu Gehör, die orientalische Klänge mit abendländischem Orchester verband. Die dabei entstehende Melange bringt den ersten Teil, die Ouvertüre, zu einem ständig fließenden, den Hörer umspülenden Musikrausch, der durch Baglama, Oud und Duduk einen besonderen Touch erhält. In “Havana Buluk Yok” erhebt sich Karsu Dönmez’ Stimme einschneidend und dramatisch, schneidet mit ihren Tönen mitten ins Herz. Der dritte und letzte Teil “Düsterine Sor” verschmilzt dann den Sound der Ouvertüre mit der eindrucksvollen Stimme von Dönmez und erzeugt einen Sog, dem man sich als Hörender kaum entziehen kann. Ein fantastisches Werk. Es bleibt zu hoffen, dass es nicht in der Versenkung verschwindet, sondern auch im Programm der Duisburger Philharmoniker seinen Platz finden wird.
So bot die 7. Haniel Klassik Open Air einmal mehr das, wofür sie steht: die Balance aus vertrautem Repertoire und mutigen Entdeckungen. Stefan Blunier hat sich mit diesem Abend als neuer GMD der Duisburger Philharmoniker eindrucksvoll vorgestellt, Götz Alsmann führte gewohnt kurzweilig durch das Programm – und mit “The Bearers of Light” hat das Orchester zugleich ein Werk aus der eigenen Stadt in die große Open-Air-Form gehoben. Ein Konzertabend, der zeigte, wohin die Reise unter neuer musikalischer Leitung gehen könnte.
Die Fotostrecke zum Event ist unter folgenden Link abrufbar: https://xtranews.pics/index.php?/category/203